Stalking

Definition

Das englische Wort „Stalking“ entstammt der Jagdsprache und bedeutet dort, sich einem Wild auf die Spur zu setzen und es zu verfolgen.

Merkmale

  • Das Verhalten tritt mehr als einmal auf und zielt auf eine bestimmbare andere Person
  • es wird als unerwünscht und grenzverletzend wahrgenommen
  • es kann Angst oder Besorgnis auslösen.

Stalking ist ein Verhaltensmuster, bei dem der/die Stalker/in einen anderen Menschen verfolgt und belästigt, häufig auch bedroht, unter Umständen auch körperlich attackiert und in seltenen Fällen sogar tötet. Das Opfer fühlt sich durch diese Verhaltensweisen bedrängt und in Angst versetzt. (Dreßing und Gass, 2002)

Typische Verhaltensweisen sind u.a.

  • ständige unerwünschte Kommunikation durch Telefonanrufe, SMS, E-Mails, Briefe. What’s App, … teilweise anonym
  • dauerndes Auflauern, Beobachten, Verfolgen und Ausforschen
  • Brief- und Geschenksendungen
  • Zusenden von Gegenständen mit obszönem Charakter, die implizite Drohungen enthalten
  • demonstratives Warten und „Belagerung“ des Hauses oder des Arbeitsplatzes
  • Ausfragen von Dritten (Freunden, Bekannten, Nachbarn, Arbeitskollegen)
  • Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen/Einschüchterungen auch des Umfeldes
  • Sachbeschädigungen, z.B. zerstochene Autoreifen, besprühtes/zerkratztes Auto
  • Fehlinformationen in Umlauf bringen, z.B. über Medien, z.B. Hochzeits- oder Todesanzeige, Verleumdungen im Internet
  • Eindringen in Wohnung/Haus
  • körperliche/sexuelle Gewalt
  • (versuchte) Tötung

Zahlen

Von Stalking wird häufig angenommen, dass es vor allem Prominente betrifft. Stalking wird jedoch heute als Massenphänomen verstanden, das viele Menschen betrifft.

Zwischen 600.000 und 800.000 Fälle von Nachstellungen gibt es nach Schätzungen der Deutschen Stalking-Opferhilfe pro Jahr in Deutschland. Laut einer Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim (Dreßing, Kühner & Gass 2004) werden fast zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens mindestens einmal gestalkt. Zu 80 Prozent sind Frauen die Opfer, die Täter sind überwiegend Männer.

In der Bundesrepublik werden jährlich ca. 25.000 Fälle von Stalking angezeigt. Eine repräsentative EU-Studie zur Gewalt gegen Frauen (2013) ergab, dass nur in jedem vierten Fall eine Strafanzeige bei der Polizei erfolgte. Daraus wird ersichtlich, dass die Zahl der betroffenen Frauen – und Männer – tatsächlich weitaus höher liegt.

In etwa 75% der Fälle kennen sich Betroffene*r und Stalker*in, in etwa 25% der Fälle sind sie sich fremd. 50% aller Stalkingfälle finden im Anschluss an eine Liebesbeziehung statt (Spitzberg, 2002).

Ergebnisse der Mannheimer Studie (Dreßing, Kühner & Gass, 2004)

  1. Die Häufigkeit von Stalking in einer deutschen Bevölkerungsstichprobe ähnelt den Ergebnissen aus angelsächsischen Studien
  2. Ex-Partner Stalking ist das häufigste Phänomen
  3. Aggressives und gewalttätiges Verhalten im Kontext von Stalking ist ein erhebliches Problem.
  4. Stalkingopfer zeigen eine signifikante Beeinträchtigung des psychischen Befindens
  5. Stalking verursacht erhebliche Kosten für die Gesellschaft und ist auch ein gesundheitspolitisches Problem

Belastungen bei Stalking

Da Stalking meist über einen längeren Zeitraum andauert und dabei häufig als wenig bis gar nicht kontrollierbar erlebt wird, fühlen sich die Betroffenen manchmal wütend und fast immer ohnmächtig und hilflos ausgeliefert. Versuche, die Nachstellungen durch Veränderungen des Alltags und der Lebensgewohnheiten zu beenden, führen meist nicht zum Erfolg. Manche Menschen haben das Gefühl, sie müssten sich unsichtbar machen. Sie wechseln den Arbeitsplatz oder die Wohnung in der Hoffnung, das Stalking möge endlich beendet werden.

In der Folge reagieren die Betroffenen mit starken psychischen Belastungssymptomen: Schlaflosigkeit, Unruhe, Ängste, Depressionen, bis hin zu Suizidgedanken, etc. In jedem Fall ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt und die Betroffenen wünschen sich kaum etwas mehr, als dass die Nachstellungen aufhören und sie wieder ein normales Leben führen können.

Ergebnisse aus Studien:

  • Überwältigendes Gefühl eigener Ohnmacht u. Hilflosigkeit
    Opferstudie der TU Darmstadt (Forschungsgruppe Wondrak, Hoffmann & Voss, 2002 – 2005):
    90 % litten unter Angst, 2/3 panikartig
    40-70 %: psychosomatische Beschwerden, Schlafstörungen, Albträume, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen
  • Sozialverhalten
    Vermeidungsverhalten
    sozialer Rückzug und Isolation
    Änderung der Lebensführung (Umzug, Kündigung)

Handlungsempfehlungen gegenüber dem Stalker/der Stalkerin

  • Machen Sie der stalkenden Person EINMAL nachweislich und deutlich klar, dass Sie keinerlei Kontakt mehr wünschen.
  • Bleiben Sie danach konsequent und ignorieren Sie die stalkende Person.
  • Verweigern Sie die Annahme nicht bestellter Waren / Pakete.
  • Informieren Sie Ihr gesamtes Umfeld (z.B. Ihre Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn) über das Geschehen.
  • Machen Sie bei konkreter Bedrohungslage andere Personen auf die Situation aufmerksam– Öffentlichkeit kann schützen!
  • Schützen Sie Ihre persönlichen Daten (vollständige Vernichtung von Papiermüll (Reißwolf)), sichern Sie Ihren Briefkasten
  • Sichern Sie Ihre Wohnung
  • Überprüfen und sichern Sie Ihren PC und Ihr Handy
  • Führen Sie ein Stalking-Tagebuch: Dokumentieren Sie alles, was die stalkende Person schickt, mitteilt oder unternimmt mit Orts- und Zeitangaben.
  • Sammeln Sie Beweise
  • Wenden Sie sich bei Telefonterror und anderen Stalking-Handlungen, z.B. via PC (sogenanntes Cyber-Stalking) an Ihren Provider oder die Polizei, um sich über technische Schutzmöglichkeiten (geheime Rufnummern, Anrufbeantworter, Handy, Zweitanschlüsse, etc.) beraten zu lassen.
  • Richten Sie eine zusätzliche Handynummer/E-Mail-Adresse ein.
  • Nehmen Sie Kontakt zu einer Beratungsstelle auf (FRIG oder Frauenberatungsstelle bei Häuslicher Gewalt).
  • Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Problemen an Ihren Arzt/Ihre Ärztin.
  • Leiten Sie rechtliche Schritte ein:
    • Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei. Es hat sich gezeigt, dass schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizei (z.B. Gefährderansprache) gegen Stalker*innen Wirkung zeigt und die Belästigungen nach einer Anzeige häufig aufhören.
    • Beantragen Sie eine „Einstweilige Verfügung/Schutzanordnung“ nach dem Gewaltschutzgesetz beim Amtsgericht (Kontakt- und Näherungsverbot)

Recht

Gewaltschutzgesetz
Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen (Gewaltschutzgesetz – GewSchG)

Strafrecht §236 StGB (Nachstellung)
Mit diesem Gesetz hat der deutsche Gesetzgeber deutlich gemacht, dass Nachstellungen kriminelle Handlungen darstellen, und dass Betroffene ein Anrecht auf staatliche Schutzmaßnahmen haben.

Nebenklage (§§ 395 – 402 StPO)
Die Nebenklage ermöglicht Opfern bestimmter Straftaten, das heißt auch bei schwerwiegendem Stalking (Nachstellung, § 238 StGB), Verfahrensbeteiligte*r mit bestimmten Rechten in der öffentlichen Klage zu werden. Wer als Nebenkläger*in am Strafverfahren teilnimmt, kann das gesamte Strafverfahren mitverfolgen und dabei seine Interessen und Sichtweisen einbringen.

Dem/Der Nebenkläger*in stehen unter anderem folgende Rechte zu:

  • Anwesenheit in der gesamten Hauptverhandlung
  • Akteneinsicht durch eine(n) vertretende(n) Anwalt/Anwältin
  • Fragerecht in der Hauptverhandlung
  • Beweisanträge selber stellen
  • Erklärungen zur Beweiserhebung abgeben
  • Abgabe einer Schlusserklärung und Rechtsmitteleinlegung gegen das Urteil

Informationsflyer Stalking

Weitere Informationen zum Thema Stalking finden Sie hier:

Stalking 
               Wenn Liebe zum Wahn wird 
               “Du wirst mich nicht los” – Artikel in Spiegel online zur Stalking App für Betroffene
                NO STALK APP des Weissen Rings 
                Bündnis gegen Cybermobbing

Quellenangaben:

  • TU Darmstadt: Wondrak, Hoffmann & Voß (2005). Traumatische Belastung bei Opfern von Stalking. Praxis der Rechtspsychologie 15 (2), 222-234
  • EU-Studie 2013 Gewalt gegen Frauen: https://fra.europa.eu/de/publication/2014/gewalt-gegen-frauen-eine-eu-weite-erhebung-ergebnisse-auf-einen-blick
  • Dressing, H., Kuehner, C. & Gass, P. (2005). Lifetime prevalence and impact of stalking in a European po-pulation. Br J Psychiatry 187, 168–172. = Mannheimer Studie
  • Spitzberg, B. H. (2002). Tactical topography of stalking victimization and management. Trauma, Violence and Abuse, 3, 261–289.