Stalking

Definition

Das englische Wort „Stalking“ entstammt der Jagdsprache und bedeutet dort, sich einem Wild auf die Spur zu setzen und es zu verfolgen.

Merkmale

  • Das Verhalten tritt mehr als einmal auf und zielt auf eine bestimmbare andere Person
  • es wird als unerwünscht und grenzverletzend wahrgenommen
  • es kann Angst oder Besorgnis auslösen.

Stalking ist ein Verhaltensmuster, bei dem der/die Stalker/in einen anderen Menschen verfolgt und belästigt, häufig auch bedroht, unter Umständen auch körperlich attackiert und in seltenen Fällen sogar tötet. Das Opfer fühlt sich  durch diese Verhaltensweisen bedrängt und in Angst versetzt. (Dreßing und Gass, 2002)

Typische Verhaltensweisen sind u.a.

  • ständige unerwünschte Kommunikation durch Telefonanrufe, SMS, e-Mails, Briefe … teilweise anonym
  • dauerndes auflauern, beobachten, verfolgen und ausforschen
  • Brief- und Geschenksendungen
  • Zusenden von Gegenständen mit obszönem Charakter, die implizite Drohungen enthalten
  • demonstratives Warten und „Belagerung“ des Hauses oder des Arbeitsplatzes
  • Ausfragen von Dritten (Freunden, Bekannten, Nachbarn, Arbeiskollegen)
  • Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen/Einschüchterungen auch des Umfeldes
  • Sachbeschädigungen, z.B. zerstochene Autoreifen, besprühtes/zerkratztes Auto
  • Fehlinformationen in Umlauf bringen, z.B. über Medien z.B. Hochzeits- oder Todesanzeige, Verleumdungen im Internet
  • Eindringen in Wohnung/Haus
  • körperliche/sexuelle Gewalt
  • (versuchte) Tötung

Tätertypologien (Mullen, 1999)

  • Der zurückgewiesene Stalker
  • Der beziehungssuchende Stalker
  • Der inkompetente Verehrer
  • Der ärger-/rachegetriebene Stalker
  • Der Jagdstalker/krankhafte Stalker

Stalking wird heute als Massenphänomen verstanden, das viele Menschen betrifft. Mit der Schaffung des § 238 StGB (Nachstellung) hat der deutsche Gesetzgeber deutlich gemacht, dass Nachstellungen kriminelle Handlungen darstellen, und dass Betroffene Anrecht auf staatliche Schutzmaßnahmen haben.

Zwischen 600.000 und 800.000 Fälle von Nachstellungen gibt es nach Schätzungen der Deutschen Stalking-Opferhilfe pro Jahr in Deutschland. Laut einer Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim (2004) werden fast zwölf Prozent aller Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens mindestens einmal gestalkt. Zu 80 Prozent sind Frauen die Opfer, die Täter sind überwiegend Männer.

Ergebnisse der Mannheimer Studie aus dem Jahr 2004

  1. Die Häufigkeit von Stalking in einer deutschen Bevölkerungsstichprobe ähnelt den Ergebnissen aus angelsächsischen Studien
  2. Ex-Partner Stalking ist das häufigste Phänomen
  3. Aggressives und gewalttätiges Verhalten im Kontext von Stalking ist ein erhebliches Problem.
  4. Stalkingopfer zeigen eine signifikante Beeinträchtigung des psychischen Befindens
  5. Stalking verursacht erhebliche Kosten für die Gesellschaft und ist auch ein gesundheitspolitisches Problem

Auswirkungen des Stalking

abhängig zum einen von Intensität und Dauer des Stalking und zum anderen von den persönlichen Möglichkeiten des Umgangs mit dem Stalking durch die betroffene Person

  • Überwältigendes Gefühl eigener Ohnmacht u. Hilflosigkeit
    Opferstudie der TU Darmstadt (2002 – 2005):
    90 % litten unter Angst, 2/3 panikartig
    40-70 %: psychosomatische Beschwerden, Schlafstörungen, Albträume, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen
  • Sozialverhalten
    Vermeidungsverhalten
    sozialer Rückzug und Isolation
    Änderung der Lebensführung (Umzug, Kündigung)

Verhalten gegenüber dem Stalker/der Stalkerin

  • klare Grenzsetzung – sofort und unmissverständlich NEIN sagen
  • danach absolute Kontaktvermeidung – konsequentes Ignorieren der Annäherungsversuche
  • die gestalkte Person braucht Beweise/Zeugen (oft schwer vermittelbar)

Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen

  • AB oder zweite Rufnummer, neue Mobilfunknummer mit Mailbox
  • Schutz persönlicher Daten (auch entspr. Müll vernichten, Briefkasten sichern oder PF, neue Email-Adresse)
  • Verweigerung der Annahme nicht bestellter Waren / Pakete
  • Soziales Umfeld informieren zur Vermeidung von Info-Weitergabe an Stalker und Gerüchteentwicklung
  • Die eigene Wohnung sichern
  • bei konkreter Bedrohungslage andere Personen auf die Situation aufmerksam machen – Öffentlichkeit kann schützen!
  • Dokumentation und Beweise sichern, nicht zu Hause aufbewahren
  • Inanspruchnahme von Unterstützung (Beratung, Selbstverteidigungskurs, Selbsthilfegruppe…)
  • frühzeitiges Kontaktieren der Polizei – Gefährderansprache
  • Einleitung zivil-und strafrechtl. Maßnahmen (Kontakt- und Näherungsverbot)
Flyer Stalking
Flyer Stalking – § 238 StGB „Nachstellung“

Weitere Informationen zum Thema Stalking finden Sie hier:

StalkingforschungArbeitsgruppe „Stalking“ der Technischen Universität Darmstadt
StalkingWenn Liebe zum Wahn wird